Heilkräfte der Muskeln wirken in jedem Menschen!

Die dänische Muskelforscherin Bente Klarlund Pedersen hat vor 10 Jahren den menschlichen Muskel neu entdeckt. Heute wissen wir, dass eine aktive und trainierte Muskulatur enormen Einfluss auf unsere Gesundheit hat.

Wir müssen Abschied nehmen von dem alten Bild des Muskels. Das ausführende mechanische Organ, das nichts anderes tut, als unseren Knochenapparat zu bewegen.

Laut PM Magazin, Ausgabe 05/2014, ist das alles andere als die einzige Funktion unserer Muskeln. Die Muskeln sind keine bloßen Befehlsempfänger. Sie können mit anderen Organen kommunizieren und so den ganzen Organismus beeinflussen.

Die Dänin Pedersen nahm Probanden vor und nach dem Training Blut ab und konnte so nachweisen, dass bei jeder Bewegung bisher unbekannte Botenstoffe ins Blut abgegeben wurden.

Der Muskel wurde damit zu einem der wichtigsten Stoffwechselorgane des menschlichen Körpers. Dass diese Moleküle über die Blutbahnen in den Organisamus gelangen, ist jedoch an eine Voraussetzung geknüpft: Der Muskel muss aktiv sein. Mit anderen Worten, ohne eine nenneswerte körperliche Anstrenung können wir von den Heilkräften nicht profitieren. Die ausgesandten Moleküle nannte Pedersen Myokine.

Die Myokine sind dafür verantwortlich, dass fitte Menschen ein geringeres Herzinfarktrisiko haben, seltener an Diabetes erkranken und weniger häufig Alzheimer auftritt.

Eine dieser Myokine, Interleukin-6 regt den Fettstoffwechsel im Körper an. Damit wird Muskeltraining zum effektivsten Mittel auf dem Weg zum Wunschgewicht: Zum einen, weil die Muskeln natürlich Kalorien verbrauchen. Und zum Zweiten, weil sie während der Kontraktion Interleukin-6 ausschütten. Seine Nachricht an Muskel- und Nervenzellen ist es die Fettsäuren aus Nahrungsstoffen nicht zu speichern, sondern abzubauen.

Il-6 hat nämlich noch eine zweite Fähigkeit. Der Teil, der im Skelettmuskel bleibt, sorgt dafür, dass der Muskel nicht nur mehr Fett verbrennt, sondern auch mehr Glukose aus dem Blut aufnimmt. Normalerweise ist das Aufgabe des Hormons Insulin, das immer dann ausgeschüttet wird, wenn dem Körper Zucker zugeführt wird.

Doch manchmal funktioniert diese Regelung nicht mehr richtig.

Il-6 ist nun in der Lage, die Zelle wieder empfänglicher für Insulin zu machen. Gleichzeitig hat der Signalstoff aber auch Einffluss auf die Leber und die Bauchspeicheldrüse, die für die Produktion des Hormons verantwortlich ist. So steuert der Muskelbote das Zusammenspiel zwischen Organen und hält den Blutzuckerspiegel im Gleichgewicht. Fitnesstraining ist also tatsächlich eine wirkungsvolle Medizin. Regelmäßiges Training im Fitnessstudio bringt uns also nicht nur den Traumkörper näher, sondern könnten im Alter unsere Lebensversicherung bei Krebs, Herzinfarkten oder Demenz sein. Dass es tatsächlich so einfach ist, die Funktionsweise der Muskeln zum eigenen Vorteil einzusetzen, hört sich zunächst fast zu einfach an. Doch Pedersen ist davon überzeugt, dass es genau so funktioniert. Sicher sei es, dass Myokine auch mit der Leber interagieren, die Blutgefäße vor Verschlüssen beschützen und antientzündliche Effekte haben. Je trainierter ein Muskel, je fitter der Organismus, desto weniger Myokine sind notwendig. Je trainierter die Muskulatur, desto stärker wird auch der Fettstoffwechsel beeinflusst, bzw. aufrecht erhalten. In diesem Zusammenhang ist die neueste Entdeckung von Pedersen bemerkenswert, nämlich das Myokin Irisin. Gegenüber Interleukin-6 hat es einen bräunenden Effekt auf die Fettzellen. Anders als die hellen Fettzellen, die leider im Organismus überwiegen, produzieren die braunen Fettzellen Wärme und verbrauchen Energie, statt sie zu speichern. (Quelle: PM Magazin, 05/2014)